Auch 2015 große Modellauswahl an Cabrios



BMW, Mercedes-Benz, Audi, Jaguar, Mazda, Volkswagen: Alle neuen Cabrios haben ein Stoffverdeck. Die Zeit der Coupé-Cabrios mit Klappdach scheint vorbei: Sie sind dicht und praktisch, unempfindlich in der Laternengarage und resistent gegen Einbruchmesser, aber in vielen Fällen weder als Coupé noch als Cabrio richtig schick. Ein Cabrio muss, so sehen es wenigstens die Käufer in der Mehrzahl, auch geschlossen nach Cabrio aussehen – und das geht nur mit klassischem Stoffdach.

Cabrio-Verkäufer tun sich schwer, trotz des Frühlings: Die Kunden, wenn sie denn strömen, verlangen nach Van und SUV, nach Kombis und den neuen „Cross“-Modellen. Frischen Wind um ihr und der Beifahrerin Haupt indes verschmähen sie: Der Marktanteil der Cabrios ist im vergangenen Jahr unter drei Prozent gefallen. Zehn Jahre zuvor lag er nahezu doppelt so hoch.

An mangelnder Modellvielfalt kann es kaum liegen: Mehr als drei Dutzend Offene werden aktuell angeboten, allein im Volkswagen-Konzern elf von Golf und Beetle über vier Audi und drei Porsche bis zum Bentley Continental GTC mit Zwölf-Zylinder-Motor und bis zu 467 kW / 635 PS zum Preis einer mittleren Eigentumswohnung. Nonplusultra im Konzern war bisher Bugatti mit dem Veyron Grand Sport Vitesse: 16 Zylinder, vier Turbolader, 882 kW / 1200 PS, 410 km/h, von 0 - 100 km/ in 2,6 Sekunden, Preise bis weit über zwei Millionen Euro. Aktuell aber herrscht Funkstille, alle 150 geplanten Exemplare sind verkauft, der Nachfolger steckt noch in der Vorbereitung.

BMW hat vier, Mercedes-Benz drei Cabrios im Programm. Von den 37 aktuellen Serienmodellen haben nur mehr zehn ein Klappdach. Ihre Zahl geht weiter zurück: Bei Volkswagen erlebt der Eos den Sommer nur mehr als Auslaufmodell. Er wurde 2006 vorgestellt, war einziger „Klapper“ im Konzern und zeitweise Marktführer bei den Offenen.

BMW hat mit 4er-Cabrio und Z4 gleich zwei Coupé-Cabrios im Programm. Letzteren beerbt mittelfristig der neue Sportwagen, der aktuell zusammen mit Toyota entwickelt wird und mit Stoffdach wieder klassisch auftritt.

Und selbst Peugeot plant, seine populären Klappdach-Coupés 207 CC und 308 CC auslaufen zu lassen: Die Produktion rechnet sich nicht. Dabei war der Vorgänger 206 CC lange Jahre sogar Marktführer.

Nicht nur die Auswahl an Klappdächern, auch die Zahl der Cabrio-Anbieter insgesamt geht zurück. Die preiswerten kleinen Modelle von Ford, Nissan und Mitsubishi gibt es schon seit Jahren nicht mehr, Volvo hat sich zurückgezogen, Ford bietet den offenen Focus nicht mehr an, auch Lexus ist mit dem viersitzigen IS Cabrio und dem noblen Achtzylinder-Zweisitzer SC 430 nicht mehr vertreten.

Nur die Deutschen kaufen Cabrios in größeren Stückzahlen, dazu die Engländer trotz notorischem Niesel-Nebel. In den südlichen Ländern, selbst in Kalifornien wollen sich die wenigsten die Sonne direkt aufs Haupt scheinen lassen.

Der Himmel wird sich für Cabrio-Interessenten auch mit Beginn der warmen Jahreszeit nur wenig aufhellen: Neue Offene gibt es kaum. Einziger Newcomer, der höhere Stückzahlen erwarten lässt, ist der TT Roadster von Audi. Als Zweisitzer mit scharfen Linien setzt er die Tradition der Vorgänger fort, sein Stoffverdeck öffnet und schließt elektrisch in zehn Sekunden und bei Geschwindigkeiten bis 50 km/h. Wie die meisten teureren Cabrios heute bläst der neue TT Roadster Fahrer und Beifahrer warme Luft aus den Sitzlehnen ins Genick, den dicken Schal können sie sich sparen. Ein Windschott, meist elektrisch ausfahrbar, ist ohnehin selbstverständlich.

Mit noch mehr Ungeduld als Audi-Fans beim TT erwarten eingefleischte Alfisti im Sommer den 4C Spider. Das 2013 gestartete Coupé mit angriffslustig blickender Kohlefaser-Karosserie (Leergewicht nur 995 kg) gilt bereits jetzt als Stilikone. Mit der ab sofort bestellbaren offenen Version wird Alfa Romeo den Erfolg noch steigern. Der 1,75-Liter-Vierzylinder leistet wie im Coupé 177 kW / 240 PS, gut für 258 km/h und benötiogt für den Standardspurt 4,5 Sekunden. Fahrern des 4C Spider ist der exklusive Auftritt sicher. Die Italiener verlangen mit 72 000 Euro allerdings einen stolzen Preis. Die Produktion bei Maserati in Modena ist mit 3500 Coupés und Cabrios pro Jahr viel zu niedrig: Die Lieferzeiten betragen aktuell etwa 18 Monate.

Bei Alfa Romeo war zusätzlich ein wohlfeilerer Roadster in Planung, der zusammen mit dem neuen Mazda MX-5 entwickelt werden sollte. Dieser wurde jüngst an Fiat weiter gereicht und erscheint dort als 124 Spider. Als Appetithappen steht er vielleicht auf der IAA im September, zu den Händlern kommt er dieses Jahr aber wohl nicht mehr.

Der Basis-Spender Mazda MX-5 dagegen startet zur Jahresmitte neu. Der Vorgänger ist der erfolgreichste Roadster der bisherigen Automobilgeschichte. Das neue Modell tritt exakt in seine Fu߬stapfen, es gilt jetzt schon als Ikone. Es wird wieder puren Fahrspaß bieten, gepaart mit einem Mindestmaß an Komfort und mit zeitgemäßer Sicherheit. Das bisher wahlweise erhältliche Klappdach wird nicht wie-der aufgelegt, die Preise werden nicht viel höher liegen als bisher: ab etwa 23 000 Euro.

Auch bei den Luxury-Performance-Modellen wird noch in diesem Jahr ein Neuzugang erwartet: die offene S-Klasse. Wie die Limousine wird sie sogar mit Zwölfzylinder angeboten werden.

Gleichfalls üppig in Leistung und Auftritt, aber zum Schnäppchenpreis kommt das neue Mustang-Cabrio von Ford nach Europa: mit 5,0-Liter-V8 und 308 kW / 418 PS für sehr günstige 44 000 Euro. Mit viel sparsamerem, dennoch kräftigem (aber im Ton weit weniger schönem) 2,3-Liter-Vierzylinder-Turbo mit 231 kW / 314 PS kostet es sogar nur 39 000 Euro.

Der Mustang trifft auf die offene Corvette von Chevrolet mit 6,2-Liter-V8 und 343 kW / 466 PS, wie der Ford ohne Turbo. Für sie aber wird mit 79 500 Euro fast das Doppelte aufgerufen.

Günstig wie der Mustang ist auch der 370 Z Roadster von Nissan. Er wurde im vergangenen Frühjahr überarbeitet. Sein 3,7-Liter-Sechszylinder (auch er entgegen allgemeinem Trend ohne Turbo) schickt 241 kW / 328 PS an die Hinterräder, gut für 250 Spitze und den Standard-Spurt in 5,5 Sekunden. Mit 39 150 Euro vergleicht sich der offene 370 Z im Preis eher mit dem neuen Mustang.

In derselben Leistungs-Liga spielt beispielsweise der Porsche Boxster. Die stärkste Version 3.4 GTS für 69 949 Euro verfügt mittlerweile über 243 kW / 330 PS. Eine gehörige Portion Fahrspaß vermittelt aber bereits die Basisversion mit 195 kW / 265 PS für 49 957 Euro.

Ähnlich breit gespreizt sind Leistungen und Preise beim Mercedes SLK: von 135 kW / 184 PS für 39 359 Euro bis 310 kW / 421 PS beim SLK 55 AMG V8 für 73 542 Euro.

Wer es viersitzig, wie bei SL/SLK mit Klappdach, vergleichsweise preiswert und dank winziger Stückzahlen sehr exklusiv mag, der findet auch im Q60 Cabrio von Infiniti das Richtige: 4,0-Lliter-V6, 235 kW / 320 PS, 58 430 Euro.

Mit dem Jaguar F-Type Cabrio in der neuen Kompressor-Allrad-Version beginnt der Reigen der exklusiven Achtzylinder-Cabrios: 405 kW / 550 PS, 300 km/h, Standardspurt 0 - 100 km/h in 4,1 Sekunden, Preis 119 800 Euro.

Ferrari ist hier vertreten mit dem neuerdings Turbo-geladenen Klappdach-California T (412 kW / 560 PS, 183 499 Euro) und Maserati mit dem Gran Cabrio (338 kW /460 PS) für 151 610 Euro.

Und natürlich Porsche mit dem 911. Ihn gibt es gleich zweimal offen, als Cabrio und als Klappdach-Targa. Letzterer ist neu in der 303 km/h schnellen GTS-Version mit Allradantrieb und 316 kW / 420 PS für 137 422 Euro. Das Cabrio steht als stärkster Allrad-Turbo (412 kW/560 PS, 318 km/h, 0-100 km/h in 3,2 Sekunden) mit 209 774 Euro in der Liste.

Aber es gibt auch Zwölfzylinder. So den SL 65 AMG V12 von Mercedes-Benz (463 kW / 630 PS, 238 833 Euro) und den Aston Martin Vanquish Volante (424 kW / 576 PS, 268 995 Euro). Derselbe Zwölfzylinder befeuert den Roadster Vantage-S für 191 995 Euro.

In diese luxuriöseste Gruppe gehört auch der R8 Spyder von Audi (V10-Motor mit 404 kW / 550 PS, 311 km/h, 177 500 Euro). Über allen schwebt zumindest in Format, Komfort und Auftritt das Phantom Drophead Cabrio von Rolls Royce: über fünfeinhalb Meter lang, gute zweieinhalb Tonnen schwer, 338 kW / 460 PS stark – und für den Preis eines Einfamilienhauses (458 507 Euro).

Weit größere Marktbedeutung freilich haben die volkstümlichen Cabrio-Modelle. Da gibt es Golf und Beetle mit Stoffdach (ab 24 950 bzw. 22 525 Euro als 1,2-l-TSI mit 77 kW / 105 PS), den noch bestellbaren Eos (30 375 Euro mit 1,4 Litern Hubraum und 90 kW / 122 PS) und die ebenfalls noch erhältlichen Peugeot-Klapper 207 CC und 308 CC (22 100 Euro mit 88 kW / 120 PS bzw. 34 500 Euro mit 115 kW / 156 PS).

Renault hat nach wie vor seinen Mégane CC mit Glas-Klappdach (28 100 Euro mit 97 kW / 132 PS) im Angebot.

Der große Opel Cascada (26 320 Euro mit 88 kW / 120 PS) liegt im Preis außerordentlich günstig.

Das viel kleinere A3-Cabrio von Audi mit ähnlicher Leistung (92 kW / 125 PS) startet mit 31 050 Euro.

Für das im Format mit dem Cascada etwa vergleichbare A5-Cabrio werden mit 125 kW / 170 PS mindestens 40 250 Euro verlangt, für die in der Größe ebenfalls vergleichbare offene E-Klasse von Mercedes-Benz im Minimum mit 135 kW / 184 PS sind es 48 136 Euro.

Selbst das viel kleinere Mini-Cabrio kostet in einfachster Version (72 kW / 98 PS) bereits 21 150 Euro, als zwei-sitziger Roadster (90 kW / 122 PS) noch 1500 Euro mehr.

Aktuell preiswertestes, allerdings streng genommen nur halbes Cabrio ist der Fiat 500C mit seinem großen Faltdach. Mit 51 kW / 69 PS beginnen die Preise mit 14 750 Euro.

Ein ähnliches Faltdach gibt es beim DS 3 Cabrio. Mit 1,2-Liter-Drei-Zylinder-Motor (60 kW / 82 PS) starten die Preise bei 18 480 Euro.

2016 wird die Cabrio-Szene deutlich bunter. Hier startet der Smart erneut in offener Version, ähnlich wie bisher und vermutlich wieder als preiswertestes Cabrio überhaupt. In der höchsten Leistungsklasse wird dazu der offene Huracan von Lamborghini erwartet. Und Land Rover öffnet den erfolgreichen Evoque – als erstes SUV – Cabrio. (ampnet/fer)